unser Pfarrzentrum St. Paulus Dresden-Plauen
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Die Liebe - Schlüssel zu wahrhafter Geschwisterlichkeit

Rede zur Segnung des neuen Kreuzes im Eingangsbereich

Liebe Gemeinde,
liebe Gäste aus unserer Partnerstadt Usti nad Labem,
liebe Freunde und Gäste von St. Paulus,
lieber Herr Pfarrer Röhl,

Martin Luther King sagte:" ich träume davon, dass den Menschen eines Tages bewusst wird, dass sie geschaffen sind, um wie Geschwister miteinander zu leben, dass die Geschwisterlichkeit für den Geschäftsmann zur Tagesordnung gehört und für den Politiker zum Leitmotiv wird.

Und Mahatma Gandhi betonte: "Ich sehe meinen Auftrag nicht nur darin, für die Geschwisterlichkeit unter den Menschen in Indien einzutreten,. Ich hoffe, dass ich einen Beitrag zur Geschwisterlichkeit unter allen Menschen leiste, indem ich für die Freiheit Indiens kämpfe."

Verwirklichung der Geschwisterlichkeit war auch das Ziel von Menschen ohne religiöse Motivation, die aber der Menschheit Gutes tun wollten.


Die zentrale Bedeutung der Geschwisterlichkeit bestätigt z.B. auch jenes wichtige historische Ereignis, das den Anbruch einer neuen Epoche kennzeichnete: die Französische Revolution. Ihr Motto- Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit - fasst das große politische Programm der Moderne zusammen.

Zahlreiche Länder Europas haben es geschafft, demokratische Regierungen aufzubauen um so die Freiheit der Menschen zu sichern. Die Gleichheit hingegen wurde nur teilweise verwirklicht. Die Geschwisterlichkeit wurde sogar mehr verkündet als gelebt.

Auch Jesus von Nazareth verkündete die Einheit aller als sein Testament.

Das Mittel, dass Jesus uns zur Verwirklichung anbietet ist die Liebe.
Er hat uns Gott als Vater geoffenbart.
Ein Vater, der uns liebt und zur Gegenliebe einlädt.

Die Heiligen haben diese Liebe in unterschiedlicher Weise den Menschen zu allen Epochen nahegebracht und damit die Geschwisterlichkeit gelebt.

Denken wir an den Heiligen Bonifatius - dessen Leben und dessen Liebe wir in diesem Jahr besonders verehren. Denken wir an den Heiligen Bischof Benno, der über die Grenzen hinweg ins Land der Slawen ging und die Botschaft der Liebe verkündete. In Geschwisterlichkeit starben die Seligen Märtyrer vom Münchner Platz - in dem sie selbst ihren Mördern verziehen.

Die Liebe, die Jesus bringt, führt uns dazu, alle Menschen zu lieben, nicht nur Verwandte und Freunde: den sympathischen ebenso wie den unsympathischen, den Landsmann wie den Fremden, den Angehörigen der eigenen Kirche ebenso wie den Zugehörigen einer anderen Religion.

Diese Geschwisterlichkeit verlangt heute von den Ländern Westeuropas, die mittel-und osteuropäischen Staaten zu lieben wie den eigenen.


Aus der Sicht seiner Gründer ,den Franzosen Schumann, dem Italiener Alice de Gasperi und dem Deutschen Konrad Adenauer ist Europa eine Familie von Völkern, eingebettet in die große Völkerfamilie der Welt.

Würde die Liebe, die Jesus gebracht hat, von Millionen Europäern gelebt, wäre sie ein mächtiger Impuls.
Die Liebe , die Jesus gelebt hat, fordert dazu auf, auch den Feind zu lieben, ihm zu verzeihen.

Wie viele Menschen haben auf den Schlachtfeldern Europas in den letzten Jahrhunderten ihr Leben für die Egoismen und Machtansprüche einzelner hingegeben.
Aber immer wieder wurden Europäer zum Vorbild für Feindesliebe und Versöhnung.

Die Liebe, die Jesus gebracht hat, ist nicht platonisch; sie besteht nicht nur aus Gefühlen oder Worten. Sie ist konkret, sie verlangt, dass wir etwas tun.

Bedenken wir, dass um uns herum vieles im Argen ist:
Die Ausgrenzung Behinderter , Obdachloser, Aids-Kranker, der Handel mit Frauen und Prostitution. Wir kennen die Probleme alleinstehender Mütter, die die Mühen und Sorgen des Alltages zu meistern haben.
Und denken wir auch an jene, die sich von falschen Idolen wie Genusssucht, Konsumdenken, Machthunger und Materialismus blenden lassen.

Die Liebe, die Jesus gebracht hat, ist also angesichts der Probleme unverzichtbar für Europa, wenn es ein "Europa des Geistes" sein und damit das "gemeinsame europäische Haus".

Nur diese übernatürliche Liebe schafft Raum für eine wahrhafte Geschwisterlichkeit:

- Sie heilt Familien und damit die Grundstruktur der Gesellschaft.
- Sie weckt die Bereitschaft zur Teilung der Güter,
   um Notleidenden zu helfen.
- Sie ermutigt, auch auf Fremde zuzugehen,
   um sie aus der Isolation in die Gemeinschaft zu führen.

Wenn wir so leben, dann ist unser Eingang ein wahrhaftiges Zeichen der Freiheit der Kinder Gottes, der Gleichheit untereinander, aber vor allem eine große Einladung zur Geschwisterlichkeit.


Steffen Wackwitz
(Pfarrgemeinderatsvorsitzender)

Letzte Änderung am 11.06.2005   |   zum Seitenanfang

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