„Versöhnt leben – mit Gott, mit sich, mit andern“ – Wie schwäbische Butter, Liebe und der Wille zur Versöhnung zusammenpassen

Ein persönlicher Rückblick auf den Samstag, 12.10.2019 von Anja Heinemann, St. Antonius Dresden

Es ist für mich nichts Alltägliches, mit etwa 30 Menschen in einem Kreis zusammenzusitzen und die Blicke von Gesicht zu Gesicht wandern lassen zu können, von denen mir nur ganze vier aus der Gemeinde bekannt sind. Auch mein Gesicht wurde an jenem Samstagmorgen von Blicken gestreift, vielleicht fragend: Was verbindet Dich mit dem Thema Versöhnung?

Pater Willi Lambert SJ machte es uns in den kommenden Stunden leicht, in Gruppen oder einzeln den Versöhnungserfahrungen in unserem Leben nachzuspüren und uns auch der Frage zu stellen, was uns bislang vielleicht hinderte, uns mit Menschen oder auch mit individuellen Lebenssituationen zu versöhnen. Er verstand es, mit einem Augenzwinkern und einem unwiderstehlichen humoristischen Talent, alle bei der Hand zu nehmen und zum Hinschauen auf Konflikte und unseren Umgang mit ihnen zu führen. „Wieso haschd Du den Budder mit´brachd?“, hat seine Mutter den Vater im schwäbischen Dialekt einmal gefragt, als der Butter einkaufte, obwohl noch welche im Kühlschrank war. Pater Lamberts Eltern, so erzählte er, konnten sich anhand eines scheinbar trivialen Auslösers wie diesem gegenseitig „wunderbar hochschaukeln“. Das folgende „Na Du hast doch gesagt, dass …“, „Nein, das habe ich nicht, sondern Du hast …“, „Nein Du!“, „Nein Du!“ konnten wir alle, trotz herzlichen Lachens, gut nachvollziehen. Wie aber vermeiden wir, dass sich eine Streitkluft zwischen zwei Menschen auftut und etwas vielleicht Dauerhaftes zwischen ihnen steht, das ohne Versöhnung nicht verschwinden kann? Wie schwer ist es erst, wenn es um große Themen geht, um Schuld, um Verletzungen, um nicht mehr umzukehrende Fehler?

Zum Streiten gehören immer zwei …

… zum Versöhnen auch. Und einer sollte den Anfang wagen, auch wenn es Überwindung kostet oder die Angst vor Zurückweisung den ersten Schritt hemmt, so die Essenz des Tages im gegenseitigen offenen Austausch, bei dem eine jede und ein jeder mit seiner Geschichte die anderen lernen ließ. Im Fokus stand dabei immer die Liebe zu unserem Nächsten, die uns den ersten Schritt wagen lässt.

Ich lernte, dass Konflikte unvermeidlich sind, dass Vergebung und Versöhnung aber die einzige wirkliche Heilung sind, und dass wir alle jederzeit Gott darum bitten dürfen. Der schwäbische Budder-Konflikt, wie wir erfuhren, wurde so gelöst, dass Mutter oder Vater am Ende einer solchen Diskussion immer sagte: „Einer von uns beiden irrt sich gerade“. Keiner von beiden fügte hinzu: „Und das bist Du“, dabei hätte es doch auf der Zunge liegen können. Oder?