Versuche zur Versöhnung

Vernehmen: Dies heißt, Situationen und Gefühle nicht gleich beiseiteschieben, sondern da sein lassen, auch wenn das etwas innere Unruhe schafft.

Verstehen: Schauen, wie es dazu kam, sich vielleicht hochgeschaukelt hat; und sich in sich selber und den andern hineindenken und hineinspüren; sich fragen, wie es mir an seiner Stelle wohl ginge?

Vorangehen: Den ersten Schritt tun; die Hand hinhalten, Risiko von Begegnung auf sich nehmen, Bereitschaft und Wunschnach Versöhnung signalisieren.

Verständigen: Dies ist wohl das erste, dass man in vielleicht wiederholten Gesprächen versucht, sich zu erklären, zu verstehen: Wie erlebst du denn das Ganze und wie ich? Wie könnten wir weiterkommen? Welche Abmachungen, Änderungen im Reden und Tun und in den inneren Einstellungen sollten wir einmal ausprobieren? Gibt es die eine oder andere Bitte, die wir aneinander haben und vielleicht bewusst und probehalber darauf eingehen und dann die Erfahrungen austauschen.

Verschmerzen lernen heißt, zunächst schauen, was unter Wut, Ärger, Ohnmacht der eigentliche Schmerz ist. (vgl. Psalm 77,11): „Dies ist mein Schmerz, dass die Rechte des Herrn so anders handelt“

Verzeihen/Vergeben also etwas auch einmal gut sein lassen können; nicht dauernd nachrechnen, vorwerfen; positiv weitermachen, Gelungenes sehen und hervorheben; ohne Verzeihen bliebe ich Opfer des andern und machte meinen innen Frieden gänzlich abhängig von ihm und seiner Bitte um Vergebung. Verzeihen heißt auf keinen Fall, Situationen einfach schön zu reden. Vergeben heißt, die Spannung zwischen Gerechtigkeit und Barmherzigkeit zu leben und sie letztlich Gott zu überlassen.

Verzichten und annehmen können, dass die Erfüllung eigener Wünsche und Ansprüche einmal ausbleibt, statt sich dauernd ergebnislos Ohnmachtsgefühle abzuholen, zu verbittern oder mit Drohungen bzw. Bestechung zu arbeiten.

Verdauen: „dicke Brocken“ brauchen Zeit zum Verdauen. „Zeit heilt Wunden.“

Vornehmen: Wie möchte ich damit umgehen? Was könnte mir noch helfen?

Verlebendigen: Es gibt so viel ungelebtes Leben, andere Möglichkeiten; Neues wagen, Altes lassen.

Vertrauen: Dies kann vielleicht ganz konkret das Eingeständnis bedeuten: „Herr, liebe Du sie/ihn, ich kann es nicht“ – und umfassender noch Gottes Geist die Wirkkraft seiner Gnade der Versöhnung zutrauen.

(Willi Lambert SJ)