15.04.2020

Die Ostertage liegen hinunter uns und ich bin froh und dankbar, dass alle Gottesdienste gefeiert und aus „unserer“ Kirche übertragen wurden. Ich gebe zu, dass ich skeptisch war – Gottesdienstübertragungen im Fernsehen sind nicht so meins –  aber tatsächlich hat sich das für mich so wichtige Gefühl der Verbundenheit eingestellt. An dieser Stelle möchte ich mich darum sehr herzlich bei allen bedanken, die dies ermöglicht haben! Wir haben also trotz der Einschränkungen ein sehr schönes Osterfest im engen Familienkreis gefeiert. So nah waren wir uns lange nicht. Gerade weil es im Moment nicht selbstverständlich ist, haben wir es ganz besonders genossen. Es geht uns persönlich in dieser Zeit der Coronakrise trotz bestehender Beschränkungen sehr gut. Ja, die persönlichen Kontakte fehlen, aber sie lassen sich mit den vielen digitalen Möglichkeiten doch – gefühlt – ganz gut kompensieren. Ja, die Geschäfte sind geschlossen, aber auch hier ist – wenn es wirklich nötig ist – dank online-Angeboten nicht wirklich eine Mangel da. Wir sind gesund, wir haben viel Platz, wir haben mit keinen finanziellen Einbußen zu kämpfen. Und Dank der Maßnahmen der Regierung werden uns vermutlich Szenarien wie in Spanien, Italien und den USA erspart bleiben. Wie so oft befinden wir uns also hier in Deutschland trotz einer Krise auf der „Sonnenseite“. Dafür sind wir sehr dankbar und es erfüllt uns mit einem Gefühl der Demut.

Ganz anders sieht es in den ärmeren Regionen der Welt aus. Afrika steht erst am Beginn der Krise und es ist angesichts der Lebensbedingungen, ganz besonders im Hinblick auf die Gesundheitsversorgung in den meisten Ländern, nicht schwer, sich vorzustellen, welche verheerende Wirkung die Verbreitung des Virus dort vermutlich haben wird. Ich möchte hier den Blick auf Malawi lenken. Das Land in dem wir seit 2003 in der Likuni- Gemeinde für Aids-Waisenkinder den Besuch der weiterführenden Schule ermöglichen. Heute erhielten wir von  Felicitas Malewezi, die das Projekt „Mwana wa Mzako- Dein Kind ist mein Kind“  ins Leben gerufen hat und vor Ort  immer noch die Hauptverantwortliche ist, diese Nachricht: „….Die Zahl der Covid-19-Fälle nimmt zu. Wir haben jetzt 16 bestätigte Fälle und 2 Todesfälle. Die Fälle kommen hauptsächlich aus China, dem Nahen Osten, Europa und Südafrika. Die Menschen kommen über durchlässige Landwege, um der Entdeckung auf Flughäfen zu entgehen.  Ich glaube, wir haben mehr als 16 Fälle, aber aufgrund des Mangels an angemessenen Testeinrichtungen ist die Zahl der festgestellten Fälle gering. Wir haben gehört, dass die Regierung möglicherweise diese oder nächste Woche einen Shutdown  anordnet. Die Konsequenzen werden wirtschaftlich katastrophal sein……Es bedeutet auch keine Märkte für die Frauen und andere Lieferanten, die uns Gemüse und andere Nahrungsmittel verkaufen. Wenn die Menschen hungrig sind, werden sie alles tun, um es zu bekommen. Gesetzlosigkeit und Unruhen sind die möglichen Folgen, auf die wir uns einstellen sollten, wenn die Regierung auf einer Abriegelung besteht…..“ Es ist also schon jetzt absehbar, dass die Krise Afrika und Malawi und damit auch die Schüler und Schülerinnen, die wir unterstützen, ungleich härter treffen wird als uns. Wir hoffen, dass das im März ausgefallene Treffen mit Felicitas  in der zweiten Jahreshälfte nachgeholt werden kann und wir dann über zusätzlich nötige Hilfe beraten können. Das Geld für diese Hilfe für „Mwana wa Mzako“ kommt u.a. aus dem Verkauf der Osterkerzen die traditionell jedes Jahr gestaltet und verkauft werden. Das war in diesem Jahr eine besondere Herausforderung. Die Bastelabende und auch der Verkauf nach den Gottesdiensten konnte nicht wie gewohnt stattfinden. Trotzdem ist es gelungen über 200 Kerzen zu gestalten und diese über eine Kasse des Vertrauen vor der Kirche und über die Kreuzapotheke zu verkaufen. Dafür gebührt allen Bastlern und Käufern ein großer Dank! Unser Jahresmotto „Wir sind Licht für die Welt! “ ist für mich durch diese Aktion ganz konkret sichtbar. Das Licht dieser 200 Kerzen hat zu Ostern hoffentlich auf ebenso vielen Tischen geleuchtet. Als Zeichen der Verbundenheit, als Zeichen der Dankbarkeit, vor allem aber als Zeichen der Freude über die Auferstehung des Herrn!

HALLELUJA !
 
Heike Hecker / St.Paulus