Liebe Schwestern und Brüder, lube sotry a lubi bratřa,

„Gott hat uns nicht einen Geist der Verzagtheit gegeben, sondern den Geist der Kraft, der Liebe und der Besonnenheit!“ (2 Tim 1,7) Dieses Wort aus dem zweiten Brief des Apostels Paulus an Timotheus begleitet mich durch die letzten Wochen und gibt mir Orientierung.

Die Gefahr durch das Coronavirus und die damit einhergehenden Einschränkungen des Alltagslebens und mancher Grund- und Freiheitsrechte bergen in sich die Gefahr, verzagt zu reagieren.

Uns aber ist der Geist der Kraft, der Liebe und der Besonnenheit geschenkt. Das richtet mich in diesen Tagen immer wieder auf. Wie dankbar bin ich für die Kraft, die die Menschen in unserem Land aufgebracht haben, indem sie sich so großartig an die ihnen auferlegten Einschränkungen gehalten haben. Wie viele beeindruckende Zeichen der Liebe durften wir erleben, indem zahllose Menschen trotz Ausgangsbeschränkungen den Mitmenschen nicht aus dem Auge verloren und viele Hilfsangebote initiiert haben.

Ich möchte an dieser Stelle ausdrücklich allen Dank sagen: den Menschen vor Ort, die durch ihre Rücksichtnahme die Ausbreitung der Pandemie verlangsamt haben; denen, die sich um die Kranken kümmern und unser Gesundheitssystem stabilisieren; all denen, die unter Einsatz ihrer eigenen Gesundheit das öffentliche Leben aufrechterhalten, und auch denen, die durch ihre Entscheidungen den bisherigen Prozess klug gesteuert haben. Danken möchte ich aber auch Ihnen, liebe Schwestern und Brüder, die das schwerwiegende Aussetzen öffentlicher Gottesdienste weitestgehend mitgetragen und durch viele neue und kreative Ideen geistlichen Lebens mitgestaltet haben.

Nun, da in Sachsen ab Montag, den 20.04.2020 erste Lockerungen einiger weniger Beschränkungen möglich sind und begonnen werden, ist von uns weiterhin der Geist der Besonnenheit gefordert. Natürlich würde auch ich lieber heute als morgen wieder Sonntagsmessen in großer Gemeinschaft feiern. Natürlich sehne auch ich mich nach den vertrauten und mir Kraft gebenden alltäglichen Gottesdiensten. Mit Besonnenheit darüber nachgedacht, wird jedoch schnell klar, dass dies zu früh und vor allem gesundheitsgefährdend wäre. Deshalb bin ich sehr dankbar, dass die sächsische Landesregierung mit uns Bischöfen ins Gespräch gekommen ist und wir gemeinsam nach möglichen Wegen in diesen Zeiten gesucht haben. Sicher werden dem einen oder der anderen die Ergebnisse zu unbefriedigend erscheinen. Den Vergleich mit den wieder geöffneten Baumärkten und Autohäusern, den aber immer noch beschränkten Gottesdienstfeiern höre selbstverständlich auch ich des Öfteren.

Der Geist der Besonnenheit sagt uns aber, dass Gottesdienste als Versammlungen von vielen auf längere Zeit in einem beschränkten Raum eben nach wie vor eine gefährliche Infektionsquelle darstellen. Deshalb bitte ich Sie herzlich, die für die kommenden 14 Tage von ihren Pfarrern eingerichteten Möglichkeiten wie Begrenzungen der Gottesdienstmitfeier anzunehmen und zu unterstützen. Mir fällt es schwer, es nochmal ins Wort zu heben: Der Gottesdienstbesuch ist genauso wie alle anderen Gänge in der Öffentlichkeit mit einem Risiko verbunden. Hier appelliere ich an die Vernunft und das Verantwortungsbewusstsein eines jeden einzelnen, weiterhin das Gebet zu Hause und die Feier der Gottesdienste über Internet, Rundfunk und Fernsehen als angemessene Option zu verstehen. Die Dispens von der Sonntagspflicht besteht weiterhin.

Für den thüringischen Teil unseres Bistums wurde in Aussicht gestellt, dass öffentliche Gottesdienste ab Montag, dem 04.05.2020, in stark eingeschränkter Form wieder möglich sein werden.

Erbitten wir in dieser schwierigen Zeit, die dennoch zugleich Osterzeit ist, dass uns der Geist der Kraft, der Liebe und Besonnenheit weiter und immer mehr erfülle und leite. Dazu erbitte ich Ihnen den Segen des dreifaltigen Gottes, des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes.

Heinrich Timmerevers
Bischof von Dresden-Meißen

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