Gedanken teilen – ein Rückblick

DANKE für’s TEILEN!

An dieser Stelle durften wir in den vergangenen Wochen viele wertvolle und persönliche Gedanken von verschiedenen Menschen aus unseren Gemeinden lesen. Diese Einblicke waren sehr bereichernd und ließen uns miteinander verbunden bleiben. Wenn auch Vieles sich noch anders gestaltet als „vor Corona“, so zieht nun mehr und mehr der Alltag wieder ein. Es ist darum an der Zeit, ein großes DANKE zu sagen, für all‘ die vielen geteilten Gedanken auf unserer Homepage! Freuen wir uns auf das Wiedersehen. Es wird kommen!

 

04.05.2020

… formlos?

Sie macht aus Teig eine Torte, aus Beton Architektur und aus Haaren eine Frisur: die Form.

Und auch auf weniger materielle Formgeber sind wir angewiesen wie auf Anstand, Ordnungen und Gesetze. Ohne Form geht (fast) nichts. Manchmal beengen uns diese Dinge und wir glauben an eine größere Freiheit ohne all das. Und hin und wieder halten wir Form für entbehrlich, gerade wenn es um die Belange anderer geht.

In der (auch seelsorgerlichen) Arbeit mit alten Menschen, wo Schwerhörigkeit, Sehprobleme und Gedächtnislücken an der Tagesordnung sind, hilft auch hier oft die Form. Sie ist wie ein Gerüst, dass den fragilen Alltag stabilisiert: Wiederholungen, bekannte Abläufe, eindeutige Zeichen und vertraute Sprache etwa. Dabei bin ich immer wieder dankbar, auf kollektiv Geformtes zurückgreifen zu können. Und nicht nur dort: auch Glaube und seine liturgischen Vollzüge kann ich mir formfrei nicht dauerhaft vorstellen. Die aufkommende und teils lautstark geäußerte Formverdrossenheit auf diesem Gebiet macht mir eher Angst.

Mein Blick fällt auf den Strauß Maiglöckchen auf meinem Schreibtisch. Nicht gerade üppig in der Form. Aber überaus duftintensiv. Und voller Hinweiskraft. Wenn es so riecht, beginnen die schönsten Tage im Jahr, die viel zu schnell vorüber sind. Ich bin den kleinen Dingern dankbar. Sie werden wiederkommen. Genauso. Sie werden sich nicht spontan entscheiden müssen, ob, in welchem Gewand und zu welcher Zeit.

Volker Babucke / St.Antonius

02.05.2020

Wer nichts macht …

Als Kind träumte ich oft von einer Zeitmaschine. Es war mir egal, ob sie mich in die Zukunft oder in die Vergangenheit beamen konnte. Hauptsache, sie konnte mich auch wieder sicher zurückbringen.
In den letzten Wochen habe ich mich mehrfach beim Tagträumen erwischt. Von einer etwas anderen Zeitmaschine, eine, die mich einige Jahre weiter in der Zukunft schickt und mich von dort auf unser Heute blicken lässt.  Warum? Ich möchte so gern wissen, welche der manchmal im Minutentakt fallenden, oft unkoordinierten Entscheidungen sich als richtig oder falsch erweist, als überflüssig oder notwendig, als „promoted“ von Lobbyisten oder aus ehrlicher Überzeugung schweren Herzens gefällt. Oder irgendetwas zwischen diesen Polen. Welche meiner eigenen Entscheidungen ist richtig? Gibt es ein „Richtig ODER falsch“?
Mein Tagtraum wird ein Traum bleiben.
„Wir fahren auf Sicht“, diesen von Kapitänen aller Art entlehnten Satz hört man heute ständig. Befriedigend ist er nicht. Aber ist er wenigstens (meistens) ehrlich?
„Auf Sicht Fahren“ ist eine Form von verantworteter Bewegung, kein Treibenlassen, kein Wegschieben, keineApathie. Der Satz „Nur wer nichts macht, macht nichts falsch“, ein – öfters auch von mir – zitierter Spruch, hat einen leicht abschätzigen Unterton. Positiver ist:  Wer etwas zu machen versucht,nutzt die Chance, etwas richtig zu machen. Für mich ist das eine Deutung des Gleichnisses von den zehn Talenten.
Um bei den Sprüchen zu bleiben: Die Benediktiner haben sich anderthalb Jahrtausende lang von „Ora et labora“ leiten lassen und damit ganz wesentlich die europäische Kultur und auch unser Land geprägt. Diesem Leitspruch kann ich sehr viel abgewinnen. Das kleine „et“ in der Mitte hat für mich ein spürbar größer gewordenes Gewicht bekommen; es ist gleichberechtigt zwischen den großen, nurscheinbaren Antipoden.

Josef Staubach / St. Antonius

01.05.2020

Für heute liegt uns kein Text vor.

30.05.2020

Die missionarische Dimension des Zauns oder wo ist der Standort für eine Gemeindereferentin.

Wie sooft in den letzten Tagen stehe ich auf der Straße vor dem Kirchenzaun.
Menschen gehen an mir vorbei, manche bleiben stehen, vor allem Kinder stellen offen Fragen.  Eine Frau verlangsamt ihre Schritte, bleibt an dem Schaukasten stehen, liest. Die Entfernung zwischen uns ist klein, es sind vielleicht gerademal die vorgeschriebenen 2 m.

Sie liest, ich hänge etwas auf.

Nach ein paar Minuten sage ich: „Wenn ich Ihnen helfen kann, sagen Sie Bescheid.“
Sie: „Oh nein, ich lese hier nur …“
Ich: „OK“
Sie: „Sagen Sie mal … wollte eigentlich … wie ist das denn …“

Sie ist nicht die Einzige, in den letzten Tagen durfte ich zahlreiche ähnliche Gespräche führen. Einige kurz, andere länger.
Ich bin eigentlich nicht lange Gemeindereferentin. In dieser Zeit habe ich jedoch unzählige Gespräche rund um das Thema „Kirche erreicht die Menschen nicht mehr“ gehört oder geführt.
Wenn ich hier vor dem Zaun etwas definitiv verstanden habe, dann das: die Reichweite hängt  maßgeblich vom Standort des Sendenden ab.  Dies ist  für mich offensichtlich nicht im Gebäude, es ist vor dem Zaun!
Und wenn ich dies nach der Krise (z.B. im Winter) vergessen haben sollte, dann dürfen Sie mich gerne daran erinnern. Vorausgesetzt natürlich Sie wechseln sich mit mir ab 😉 Wer weiß vielleicht ist es auch Ihr Standort.

Hoffnungsvoll
Jadwiga

29.04.2020

Kirche

Am Sonntagnachmittag war ich zwei Stunden lang in St. Paulus in der Kirche. Mein Mann hatte die Aufsicht während der Öffnungszeiten für stilles Gebet übernommen und mich gebeten, ihn zu begleiten. Auf dem Hinweg hatten wir uns darüber ausgetauscht, wie viele Menschen wohl kommen würden. Würden es 30 sein und wie sollten wir dann mit der Höchstzahl von 15 umgehen? Oder würden wir zwei allein bleiben?

Egal: Für mich war es eine wunder-bare Zeit. Selten, vielleicht sogar noch nie hatte ich in St.Paulus soviel Zeit am Stück im Schweigen zum Gespräch mit Gott verbracht. Sabbat-Zeit. Zeit der Rückschau auf die Woche. Es tat gut, IHM meine Woche zu erzählen,  mit IHM das, was geschehen war, und auch das, was nicht geschehen war, das, was gelungen war, und das, was schief gegangen war, zu besprechen, die Menschen, denen ich begegnet war, aber auch die Menschen, denen ich nicht begegnet war, IHM anzuvertrauen.
Die Woche war nicht in jeder Minute gut gewesen, aber ich durfte spüren, bei IHM ist sie gut aufgehoben, in diesem Sinne brachte mich die Rückschau zu dem Ergebnis: Es war gut– bei und vor und mit Gott.

Zwischendurch kamen auch andere Menschen in die Kirche. Die kritische Grenze von 15 erreichten wir niemals auch nur annähernd.  Es war schön, nicht allein zu sein. Es tat gut, gemeinsam in der Stille vor Gott zu sein. Das fühlte sich für mich wie Kirche an. Und richtig gut! Für diese Erfahrung bin ich dankbar. Vielleicht doch nicht ganz egal, dass mein Mann und ich nicht die ganze Zeit die einzigen Menschen im Kirchenraumwaren!

Maria Seitz / St.Paulus

28.04.2020

„Du bleibst da – ist auch wichtig“

Kennen Sie die TV-Sendung „Mord mit Aussicht“? Ich mag diese Krimiserie aus einem verschlafenen Nest in der Eiffel. Leider wird sie nicht mehr produziert, aber im späten Abendprogramm kann man regelmäßig Wiederholungen sehen und das „Mann, Mann, Mann“ von Kommissar Scheffer lustvoll mitsprechen. In der Sendung gibt es eine weitere feste Redewendung, an die ich jetzt öfter denken muss: brechen die Hauptkommissarin Sophie Haas und ein Teammitglied zu einer Ermittlung außer Haus auf, wird dem oder der im Büro Verbleibenden gesagt: „Du bleibst da – ist auch wichtig.“

So fühle ich mich inzwischen oft:
Ich bleibe da, während draußen das Leben läuft, während fundamentale Dinge getan, entschieden, besprochen werden.
Ich bleibe da, während Begegnung stattfindet.
Ich bleibe da, während Momente höchster Freude und oder tiefsten Leides geschehen.
Ich bleibe da. Was mache ich „da“? Was daran „ist auch wichtig“?

Der (umstrittene) deutsche Philosoph Martin Heidegger hat in seinem Hauptwerk „Sein und Zeit“ vom Menschen mit dem Begriff des „Daseins“ gesprochen, um Menschsein ganz neu denken zu können.
Jedes Dasein vollzieht sich laut Heidegger im „Sorgen“, damit meint er sowohl den
Selbstbezug, als auch den Bezug zur Umwelt und zum Mitmenschen, das Ringen um den Sinn des jeweiligen Daseins. Erhält mein Dableiben von dieser Sorge her Wert? Wird mein Dableiben so wichtig?

Ich bleibe da: um andere und mich nicht anzustecken.
Ich bleibe da: um erreichbar für Anfragen, Aufträge zu sein.
Ich bleibe da: um meine Berufstätigkeit so gut es geht von zu Hause aus zu erledigen.
Ich bleibe da: um das Abarbeiten von Aufgaben anzuschieben, zu organisieren, zu kontrollieren.
Ich bleibe da: um die Nähmaschine rattern zu lassen.
Ich bleibe da: um mit köstlichen Mittagessen, Backwaren, Aufstrichen, Salaten die Moral aufrecht zu halten.
Ich bleibe da: um über alle Kommunikationswege (außer Brieftauben) in Kontakt zu bleiben.
Ich bleibe da: um den Garten zu gießen.
Ich bleibe da: um zu träumen für eine Zeit, wenn „das hier“ vorbei ist.

Sicher fällt Ihnen auch etwas ein, wofür Sie dableiben. Wie geht es Ihnen damit?
Wenn ich das so sehe, mein Dableiben voller Sorge für mich und meine Umwelt. Es hat Sinn und Wert. Kann ich mich dann noch – ich gebe zu, selten genug – […]

27.04.2020

Für heute haben wir keinen Text erhalten.

 

26.04.2020

… spannend!

Das attestiert man gern einer Geschichte oder einem Krimi. Aber das meine ich nicht. Eher die Kopfschmerzen, die man nach dem Dienst hat, wenn man den mehrlagigen Mund-Nasen-Schutz absetzt. Akkordarbeit mit Atembremse, Waschpulvergeruch im Gehirn, der nicht wieder weggeht. Noch mehr Spannungen aushalten und kompensieren müssen. Im Pflegeheim ist es viel komplizierter geworden. Aber die Kollegen schaffen so viel Normalität wie möglich. Sind erfinderisch, die Versorgungs- und Kontaktbarrieren so gut es geht zu überbrücken. Machen Mut und werben um Verständnis. Aus welchen Quellen schöpfen sie? Und wie lange noch? Nur keine Fehler machen. Keine falsche Entscheidung treffen. Nur keinen Schnupfen bekommen, nicht mal Heuschnupfen. Denn krank darf plötzlich keiner zum Dienst. Aber Ersatz ist dennoch kaum vorhanden. Der Druck ist enorm.

Es gibt Spannungen, die das Leben in guter Weise spannend und reich machen. Die angedeutete Thematik ist eher eine Zerreißprobe. Und die Erfahrung sagt, dass Wunder hier dünn gesät sind.

Möge uns die Puste nicht ausgehen – unter und außerhalb der Stoffmaske.

Volker Babucke

 

25.04.2020

Für den heutigen Tag liegt uns kein Text vor.

24.04.2020

Am 23. April hatten wir Pfarrgemeinderatssitzung für St. Paulus – zum ersten Mal als Videokonferenz: eine sehr unwirkliche Erfahrung.
Zum Anfang dieser Sitzungen wird regelmäßig ein geistlicher Impuls gehalten, ein Text oder ein Gebet. Das Gebet der gestrigen Sitzung stelle ich gerne zur Verfügung:

In diesen Tagen

In diesen Tagen, guter Gott, schenke uns offene Augen, damit wir die Nöte unserer Mitmenschen sehen – und unsere eigenen auch.
In diesen Tagen schenke uns offene Ohren, damit wir die Sorgen unserer Mitmenschen hören – und unserer eigenen auch.
In diesen Tagen schenke uns ein offenes Herz, damit wir deine Botschaften entdecken.
In diesen Tagen schenke uns einen wachen Verstand, damit wir die Notwendigkeiten erkennen und Notwendiges von Überflüssigem unterscheiden lernen.
In diesen Tagen schenke uns kräftige Beine, damit wir die richtigen Wege gehen und nicht zu früh müde werden.
In diesen Tagen schenke uns tatkräftige Arme, damit wir die richtigen Maßnahmen ergreifen.
In diesen Tagen schenke uns eine sanfte Stimme, damit wir die richtigen Worte sagen und den richtigen Ton treffen.

Darum bitten wir dich, guter Gott, im Glauben an deine Liebe zu uns und allen und allem.

Amen.

 

Maria Seitz / St.Paulus

23.04.2020

Wann ist endlich alles wieder wie vor Corona, alles wieder wie gewohnt? – Diese Frage hört man jetzt oft, auch in der Kirche. Meine These dazu: Nie mehr. Leben heißt, sich ständig verändern, bestenfalls sich weiterentwickeln. Wenn wir nach Corona noch genauso leben und glauben wie vorher haben wir etwas versäumt: Die Zeit der Entschleunigung jetzt sinnvoll zu nutzen, beispielsweise zum Nachdenken über Grundsätzliches meines Glaubens. Darf man nicht? Ist über Jahrtausende ja alles institutionell „geregelt“? Jesus ging 40 Tage in die Wüste und hat nach- und neugedacht – nutzen wir unsere heutige „Wüstenzeit“, nicht für Aktionismus, sondern zum ehrlichen „In-Frage-stellen“, beispielsweise von alt bekannten Ritualen, die wir automatisch „erledigen“.

Beispiel gefällig?

Livestream- Osternachtgottesdienst unserer VG: Das volle Programm, würdevoll, andächtig. Je länger die Messe wurde umso weniger war ich „drin“. Die gestaltete Liturgie hat mir persönlich die aus meiner Sicht wichtigste Botschaft dieser Nacht verschüttet: Die Freude, dass ER auferstanden ist! Da hilft zum Schluss auch kein Osterwitz als verordnetes Lachen. Jesus sein „Werdet wie die Kinder“ kommt mir da in den Sinn: Wenn ein Kind sein Lieblingsspielzeug verloren hat und nach 3 Tagen wiederfindet – jubeln, klatschen, freudestrahlend – für alle, auch Unbeteiligte, sofort erkenn- und erlebbar, und: Mitreißend! Und bei uns? Wo es doch hier um viel mehr geht? Nicht mal ansatzweise für mich spürbar. Die äußere Form erscheint mir wichtiger zu sein als die Botschaft. Für mich lautet Jesu Kernbotschaft: Liebt GOTT, liebt einander, liebt euren Nächsten (was meint: Dem ich im täglichen Leben begegne). Alles andere Drumherum ist für mich Mittel zum Zwecke der Verdeutlichung dieser frohmachenden Botschaft. Es ist sicherlich leichter, im Altgewohnten zu bleiben, weil nachdenken und den Grund hinterfragen zu Zweifeln führt. Letztendlich halten diese uns aber am und im (Glaubens)Leben. Nachdenken und offenes Reden darüber wünschenswert? Aus meiner Sicht schon. „Das ist aber nicht katholisch“ – vielleicht, aber ur-christlich, denn um Christus geht es doch, oder?

S. Lischka / St.Antonius

22.04.2020

Es überrascht mich, mit wieviel Kreativität und manchmal unerwartetem Einfühlungsvermögen unsere Kinder auf diese seltsame Situation reagieren. Die Stimmung bei uns zu Hause ist oft angespannt. Wir sollen so weit wie möglich unsere Aufgaben vom Home-Office aus erledigen. So weit wie möglich ist oft nicht viel.

Unsere Kinder haben Türschilder für das Wohnzimmer gebastelt, in dem unsere Schreibtische stehen. Grün – reinkommen erlaubt. Gelb – leise etwas holen. Rot – nur im Notfall reinkommen. Zum Geburtstag schenken sie ein selbstgemachtes Wutkissen. Damit es nicht so laut knallt, wenn wir auf den Tisch hauen. Und damit die Hand dabei nicht so weh tut.

Bestimmt ist vieles nicht schön, wie es bei uns läuft. Aber ich denke auch an Familien, die tatsächliche Probleme haben. An Kinder, Frauen und Männer, die das alles aushalten müssen. Und ich bete, dass diese Familien auch das richtige Wutkissen geschenkt bekommen.

M.

21.04.2020

Selig, die nicht sehen und doch glauben.

Verstehen kann ich ihn gut, den Thomas der Hl. Schrift. Schon manchmal habe ich mich durch Gerüchte oder durch Wahrheitsbehauptungen anderer anstecken lassen, auch wenn sie sich ziemlich unglaublich anhörten. Oft ist ja mit solchen Meldungen auch eine Sehnsucht verbunden, es möge doch so sein, wie erzählt wird. Da ist es gut, noch einmal einen Schritt zurück zu treten und Luft zu holen – oder eben auch zu versuchen, sich ein eigenes Urteil zu bilden. Und was könnte dazu dienlicher sein, als das sehen zu können, was die sahen, die die Geschichte in die Welt setzten?

Thomas hatte es gut. Er konnte mit allen Sinnen wahrnehmen, dass dieser Jesus nicht im Tod geblieben war, sondern lebte: er konnte sehen und ertasten, dass es kein Traum oder Hirngespinst war, was ihm die Freunde berichtet hatten.

Wir haben diese Botschaft, verzeichnet in einem Buch, aufgeschrieben lange nach dem Geschehnis an sich. Buchstaben. Aber sehnen wir uns nicht auch nach dem Erfühlen, Begreifen, danach, dass uns diese Botschaft „in Fleisch und Blut“ begegnet, lebendig, zum Anfassen, erfahrbar? Viele von uns – Gott sei Dank – werden so etwas erfahren haben: eine liebende Begegnung, die das Leben verändert, die das Beste in uns in Bewegung setzt, die den Glauben an das Leben, das Heil, das Gott für uns will, leicht macht und die plötzlich weiß, dass diese Liebe kein irdisches Ende finden k a n n .
Was aber mit denen, die so eine im Tiefsten berührende Liebe nie erfahren haben, vielleicht nie erfahren werden? Reicht es, dass wir ihnen sagen: da ist aber Gott, der dich liebt? Sie werden es nicht spüren können.
Aber vielleicht spüren sie in ihrem Herzen die Sehnsucht, dass es so sein möge. Und ihnen gilt das Selig-Wort Jesu:
Trau deiner tiefsten Sehnsucht, dass die Botschaft vom Leben, von der Auferstehung stimmt. Gott führt dich nicht in die Irre! Selig bist du, auch wenn du es nicht siehst, es nicht sinnfällig spürst: Ich, der auferstanden ist, lebe, und auch du sollst leben.

Selig, die nicht sehen und doch glauben!

Christl Weber-Pünder / St.Paulus

20.04.2020

Der „Wenn … dann“-Thomas“

Am zweiten Ostersonntag, wenn die Kirche das Fest der göttlichen Barmherzigkeit feiert, sind wir eingeladen, einen barmherzigen Jesus vor einem „Wenn … dann“-Thomas zu sehen.Wir schauen auf die Jünger, die von der Angst vor der Welt gepackt werden, anstatt von der Freude an die Auferstehung. Jesus tritt in ihr angsterfülltes Leben ein und gibt ihnen Frieden (Joh 20,19). Seine Jünger können nicht an das Ostergeheimnis glauben, auch nicht nach Maria Magdalenas Osteroffenbarung (Joh 20: 18,25).

Jesus atmet den Jüngern, die noch nicht fest an ihn geglaubt hatten, den heiligen Geist ein. Jesus beauftragt sie (Joh 20:21,33), so erfüllt ein barmherziger Jesus alle Verheißungen, die er in seinen Abschiedsreden gemacht hatte (Joh 13,17).Aber die Tragik liegt in der Tatsache, dass Jesus nach diesen vielen Zeichen seiner Gnade auch noch dem Beweise fordernden Thomas gegenüberstehen muss. Die Bedingungen, die Thomas stellt, um dem auferstandenen Herrn zu glauben, sind ein „Wenn … dann“, sie ähneln dem bedingten Format, sie machen ihn eher zu einem „bedingten Thomas“ als zu einem zweifelnden Thomas. Was Thomas im Grunde sagt, ist, dass er nur dann glauben wird, wenn Jesus seinen Bedingungen entspricht. Das heißt, für den „bedingten Thomas“ ist sein Glaube an den auferstandenen Herrn so etwas wie ein auszuhandelnder Vertrag.

Wie viele von uns stehen an diesem Sonntag der göttlichen Barmherzigkeit Jesus als „bedingter Thomas“ gegenüber? Im Hintergrund von Covid-19 scheinen wir das Gesicht des barmherzigen Jesus vergessen zu haben, jenes Jesus‘, der in seiner großen Barmherzigkeit die Versprechen erfüllte, die er seinen Jüngern gegeben hatte, obwohl sie aufgrund mangelnden Glaubens unwürdig waren. Er hat uns mit sehr vielen Geschenken erfüllt und beschenkt, obwohl auch wir unwürdig sind.

Wie oft bestimme ich heute die Bedingungen, um im Glauben zu glauben und zu antworten?

Ist das Beherrschen oder das vollständige Ausrotten von Covid-19 eine Bedingung, die ich vor Gott gestellt habe, um im Glauben zu glauben und darauf zu reagieren?

Wie der barmherzige Jesus, der auf die von Thomas gestellten Bedingungen reagierte, jedoch auf eine Weise, in der Jesus selbst die totale Kontrolle hatte (Joh 20,27). Sogar inmitten von Covid-19 reagiert Jesus und er hat die totale Kontrolle. Wir […]

Zum 2. Sonntag der Osterzeit, nach  Joh. 20, 19

… wider Erwarten

Abend. Verschlossene Türen. Sich zusammen verschanzen. Das klingt nicht nach einem frohen Abend unter Freunden. Was die Frauen erlebt haben, ist wohl doch nicht bei Ihnen angekommen. Stattdessen: pure Angst…

Die Situation ändert sich in schwindelerregender Dynamik. Jesus kommt ins Bild. Mehr noch. Durch alle Verschlossenheiten hindurch. In ihre Mitte. In die Mitte der Angst und der Sinnleere hinein. „Friede sei mit euch!“ Er kann befrieden, weil er der Friede selber ist. Friedlich ist aber nicht gemütlich. Er sendet aus, im gleichen Atemzug. Gibt Anteil an seiner Sendung. Nochmals: „Friede mit euch!“ Und auch damit nicht genug. Das Geschenk des Heiligen Geistes. Neuschöpfung. Sündenvergebung. Das hätte niemand erwartet.

An all dem haben wir Anteil durch die Taufe und der Name „Weißer Sonntag“ erinnert genau daran. Die in der Osternacht Getauften trugen ursprünglich ihre weißen Gewänder die ganze Osteroktav hindurch.

Eine neuere Bezeichnung – Sonntag von der Göttlichen Barmherzigkeit – geht auf das Jahr 2000 und die Heiligsprechung von Sr. Faustyna durch Papst Johannes Paul II zurück. An diesem Sonntag darf besonders der Gnadengaben der Göttlichen Barmherzigkeit gedacht werden. Jener verzeihenden Liebe des Vaters, die uns immer wieder Mut macht: für unser Leben und für unseren Tod, in guten wie in schlechten Tagen.

Volker Babucke

18.04.2020

Verhinderte Samariter

Nepal ist ein unglaublich spannendes Land voller Gegensätze: wunderschön und bitterarm, uralte Kulturen und moderner Dreck, die Menschen gastfreundlich, Korruption überall. Mit ein bisschen Mut zur Entbehrung, leidlicher Kondition und einigem Gottvertrauen kann man wunderbare Bergtouren außerhalb des Herdentourismus machen und gleichzeitig ein Stück weit teilnehmen am Leben (meist an dessen schöneren Seiten) der Menschen in diesem kleinen Vielvölkerstaat. Drei Mal waren wir jeweils mit zwei, drei Freunden dort. Unvergesslich.

Einnahmequellen hat dieses Land genau zwei: Touristen und Geld von Wanderarbeitern, die sich z.B. in den Golfstaaten ausbeuten lassen. Viele tibetische Flüchtlinge aus dem Volk der Sherpa leben in Nepal davon, Touristen als Guide zu führen oder als Porter ihr Gepäck zu tragen. Eine Woche als Träger für Touristen bringt mehr als drei Monate Knochenarbeit auf dem Feld. Fehlen die Touristen, wie z.B. nach dem großen Erdbeben 2015, wird es sehr knapp.

Seit Jahren sind wir in Kontakt mit mehreren Familien, deren Männer wir als Guide oder Porter kennen und schätzen gelernt haben. Manchmal helfen wir, z.B. mit Geld für Medizin oder mit Schulpatenschaften. Im Internet-Banking bei Western Union ist man als europäischer Spender ein gerngesehener Kunde. Binnen weniger Minuten kann das Geld in Kathmandu in einem der vielen Büros von Western Union abgeholt werden. Der Empfänger braucht sich nur mit seinem Namen und einem zehnstelligen Transaktionscode auszuweisen, den man ihm per Mail schickt.

Letzte Woche bat mich ein Freund, ich solle für ihn auf diese Weise „einen Hunni“ an Pema, unseren Guide, schicken. Pema ist Buddhist, von ihm haben wir mehr über die Achtsamkeitgegenüber Mensch und (auch sehr kleinem) Getier gelernt, als wir uns bis dahin vorstellen konnten. Seine Frau leidet an schwerer Diabetes.

Die Transaktion klappt wie immer. Am nächsten Morgen lese ich Pemas Antwort. Ich muss schwer schlucken. Nach dem üblichen „Namasté from my deeplyheart“ schreibt er, dass in Kathmandu immer noch Lockdown wegen Corona ist. Viele Arme haben schon kein Geld mehr, um etwas Essen zu kaufen. Er bedankt sich sehr für das gesendete Geld an seine Frau. Aber im Moment ist es unmöglich, das Geld abzuholen. Die Büros sind während des Lockdowns geschlossen. Wenn der Lockdown vorüber ist, […]

17.04.2020

Unerwartetes Ringen um das Osterlicht

Nach dem gemeinsamen Frühstück am Karsamstag haben wir uns ausgemacht, wem wir noch einen Ostergruß zu Hause vorbeibringen wollen. Der ganze Tag war von der Freude mehrerer kleinen Liebestaten geprägt, und dazu gehörten auch die letzten kreativen Vorbereitungen. Die Vorfreude war spürbar, sichtbar, riechbar, hörbar… mir schien das Ganze komplett mit dem Wichtigsten für das Dasein des Auferstandenen: die gegenseitige Liebe unter uns (eine etwas größere Unstimmigkeit konnten wir im richtigen Moment noch aussprechen und auflösen).
Soweit alles in einem feierlichen Rahmen. Dann die Feier der Osternacht über live Stream – der Höhepunkt der Osterwoche, die sichtliche Feier unsers Glaubens vom Dunkel zum Licht! Der Gottesdienst begann, wenn auch gänzlich ungewohnt für uns alle, doch im ziemlich gewohnten Rahmen mit den bekannten Texten, vorbereitet mit sicher unvorstellbarer Mühe und vielen Überlegungen, gut durchdacht… je mehr die Kirche erhellt wurde, seltsam dunkler wurde es in mir und ein Ringen um das Osterlicht, das ich bisher nicht kannte, machte sich in mir breit. Für mich war es plötzlich ein zurück zum Karfreitag und kein Durchbruch zum Ostersonntag, buchstäblich:

  • wie wenn ich nicht angesprochen wäre
  • wie wenn ich keinen Bezug zum Glauben hätte
  • ich war in meinem dunklen Grab– der Stein vor dem Eingang schwer und fest

Eigentlich gehören Osterlicht und Osterfreude zusammen, beides für mich nicht erfahrbar. Warum? Ich war wie in einer schrecklichen Passivität festgefangen. Diese Beklommenheit hat mich innerlich wie zerrissen und gelähmt.
Und das blieb auch für die anderen um mich herum nicht unbemerkt. Ich konnte mein Ringen… nur eingestehen. Ja, es tat mir sehr leid. Dieser ehrlich eingestandene Moment hat es mir leichter gemacht, aus meinem dunklen Loch herauszukriechen, ans Licht hin zum Osterlicht.
Einen ganzen Tag später wurden mir durch das gemeinsame Gespräch unter uns noch einmal mehr die Augen geöffnet und kann sagen: Jetzt kann ich andere, denen es vielleicht ähnlich geht, ein Stück weit aus eigener Erfahrung verstehen. Ich fühle, dass ich mich als Suchende – auch in unserer Kirche – auf dem Weg bin. Das tut mir gut. Ich bin für diese Erfahrung, die weiterbegleitet, sehr dankbar – vielleicht gibt es nach der Corona […]

16.04.2020

Te Deum laudamus – Dich, Gott, loben wir

Tatsächlich hat jeder Tag seine eigene Plage. Und es gibt Gründe genug, Gott in den Ohren zu liegen: für die vielen „warum“, die eigenen Sorgen und die anderer Menschen. Das ist völlig o.k. Das ist sein Angebot an uns. Das haben wir in den letzten Wochen auch reichlich in Anspruch nehmen dürfen.
Und da ist die Möglichkeit für Dank und Lobpreis seinem Schöpfer gegenüber, gerade wenn es keinen ganz konkreten Anlass gibt. Schließlich freut sich doch jeder über eine Freundlichkeit.
Uns selber tut es vielleicht auch gut: absichtsloser Lobpreis, Staunen, Jubel…
Unter GL 706 alt (oder bei www) gibt’s das klassische Te Deum. Und wer es in „ganz alt“ mag, der lese und bete etwa Psalm 104 oder Psalm 148. Und habe Freude am Gewimmel der ganzen Schöpfung. Wer mit Leipziger Zeitgenossen unterschiedlichen Alters ein altes Kirchenlied singen möchte, dem empfehle ich wärmstens:

Viel Freude beim Gotteslob!

15.04.2020

Die Ostertage liegen hinunter uns und ich bin froh und dankbar, dass alle Gottesdienste gefeiert und aus „unserer“ Kirche übertragen wurden. Ich gebe zu, dass ich skeptisch war – Gottesdienstübertragungen im Fernsehen sind nicht so meins –  aber tatsächlich hat sich das für mich so wichtige Gefühl der Verbundenheit eingestellt. An dieser Stelle möchte ich mich darum sehr herzlich bei allen bedanken, die dies ermöglicht haben! Wir haben also trotz der Einschränkungen ein sehr schönes Osterfest im engen Familienkreis gefeiert. So nah waren wir uns lange nicht. Gerade weil es im Moment nicht selbstverständlich ist, haben wir es ganz besonders genossen. Es geht uns persönlich in dieser Zeit der Coronakrise trotz bestehender Beschränkungen sehr gut. Ja, die persönlichen Kontakte fehlen, aber sie lassen sich mit den vielen digitalen Möglichkeiten doch – gefühlt – ganz gut kompensieren. Ja, die Geschäfte sind geschlossen, aber auch hier ist – wenn es wirklich nötig ist – dank online-Angeboten nicht wirklich eine Mangel da. Wir sind gesund, wir haben viel Platz, wir haben mit keinen finanziellen Einbußen zu kämpfen. Und Dank der Maßnahmen der Regierung werden uns vermutlich Szenarien wie in Spanien, Italien und den USA erspart bleiben. Wie so oft befinden wir uns also hier in Deutschland trotz einer Krise auf der „Sonnenseite“. Dafür sind wir sehr dankbar und es erfüllt uns mit einem Gefühl der Demut.

Ganz anders sieht es in den ärmeren Regionen der Welt aus. Afrika steht erst am Beginn der Krise und es ist angesichts der Lebensbedingungen, ganz besonders im Hinblick auf die Gesundheitsversorgung in den meisten Ländern, nicht schwer, sich vorzustellen, welche verheerende Wirkung die Verbreitung des Virus dort vermutlich haben wird. Ich möchte hier den Blick auf Malawi lenken. Das Land in dem wir seit 2003 in der Likuni- Gemeinde für Aids-Waisenkinder den Besuch der weiterführenden Schule ermöglichen. Heute erhielten wir von  Felicitas Malewezi, die das Projekt „Mwana wa Mzako- Dein Kind ist mein Kind“  ins Leben gerufen hat und vor Ort  immer noch die Hauptverantwortliche ist, diese Nachricht: „….Die Zahl der Covid-19-Fälle nimmt zu. Wir haben jetzt 16 bestätigte Fälle und 2 Todesfälle. Die Fälle kommen hauptsächlich […]

14.04.2020

Für den heutigen Tag liegt uns kein Text vor.

13.04.2020

Die Corona Einschränkungen trafen uns mitten in der intensiven Phase der  Erstkommunionvorbereitung.  Nach einem kurzen Schock fiel die Entscheidung mit den Kindern weiter digital zu arbeiten. Anhand der Emmausgeschichte „besprachen“ wir den Gottesdienstablauf.
Ich bat die Kinder zu den Verben aus der Geschichte ein Standbild zu machen und dies zu fotografieren.  Mich erreichten zahlreiche spannende Fotos – dafür gilt den Kindern sowie Familien ein herzlicher Dank!
Ein Foto sprach mich persönlich besonders an, es ist die Illustration der Formulierung „da gingen ihnen die Augen auf“.
Vielleicht, weil mir dieser Zustand so sehr bekannt vorkommt… Genauso wie der Moment davor, wo mich kurz das Gefühl „des sich über sich selbst wundern“ überkommt. Dieses: Oh wie konnte ich das denn nicht merken, kommen sehen, spüren können?!
Wie hervorragend passt es auf unsere aktuelle Situation.
In den letzten Tagen wundern wir uns über so Vieles.
Wir wundern uns über unsere eigene Blindheit, Selbstsicherheit, …
wir wundern uns darüber wie uns dieser so kleine Virus so hart erwischen konnte…
wir wundern uns darüber wie schnell die Maßnahmen verhängt wurden …
wir wundern uns wie verletzlich wir sind.
Und dann, dann gehen uns auch die Augen auf, oft bei kleinen Dingen:
den Dienst der Kassiererin im Supermarkt (sitzt sie dort nicht fast 365 Tage im Jahr?)…
die Einsamkeit der Altenheimbewohner (wie viele von ihnen bekommen auch ohne Corona keinen Besuch?) …
und letztendlich auch darauf, dass Jesus diesen Weg mit uns geht. ..
Dankbar und froh erfahre ich, das Letztere täglich vor den Toren unserer Kirchen.
Da wundere ich mich kurz und mir gehen die Augen auf … und ich hoffe es bleibt so über Corona hinaus.
Das wünsche ich Ihnen und mir zu Ostern.

Jadwiga

12.04.2020 Ostersonntag

Bis Ende März war ich mit den Kindern zur Kur an der Ostsee. Dort fühlten wir uns wie in einer Seifenblase: Man hörte zwar immer mal andeutungsweise, was „draußen“ los war, aber wir hatten uns darauf geeinigt, alles soweit möglich erst einmal zu verdrängen, um die Zeit dortnoch genießen zu können. Der Klinik-Kindergarten blieb geöffnet, einige Therapieangebote in Zweiergruppen fanden noch statt, wir hatten den Strand direkt vor der Gartentür und – wohl das wichtigste, wie ich jetzt merke – wir durften in Kontakt zu den anderen Müttern und Kindern sein. Wie das aber bei Seifenblasen so ist, platzen sie irgendwann und so endete auch unsere Kur und wir kamen zurück nach Hause.

Sich dann nach der Kur auch noch in eine so besondere Situation einzuleben, war nicht ganz einfach, aber inzwischen haben wir unseren Alltag ganz gut strukturiert. Mit den Kindern mache ich Bastelaktionen, Singerunden, Yoga, Experimente und Spaziergänge – wobei das letzte eine schöne neue Erfahrung ist; das haben wir vorher selten gemacht. Dabei haben wir neulich die Knospen in ihren unterschiedlichen Stadien an Bäumen bewundert.

Die Geschwister meines Mannes hatten die Idee, gemeinsam Gottesdienste per Skype zu feiern und so „sehen“ wir uns nun sogar öfter als sonst. Mit einem Organisten in der Familie, der die Lieder auf dem Klavier begleitet, lässt es sich auch gut zusammen singen. Die Kinder finden es ganz spannend, mal im Wohnzimmer Gottesdienst zu feiern. Das Evangelium gestalten wir im Wechsel kindgerecht, sodass die Kinderkatechese gleich dabei ist. So erwarten wir gespannt die etwas anderen Kar- und Ostertage.

Franziska Gwosch / St. Antonius

11.04.2020

IHR fehlt mir!

Wie es Euch geht, weiß ich nicht, aber IHR fehlt mir.
Die Situation gerade ist schon sehr eigen. Das auf das eigene Zuhause befohlene Zurückgezogensein ist eigentlich nicht das Schwere. Wer wie wir eine Weile aus dem Arbeitsprozess heraus ist, hat da schon etwas Übung. Das Leben ist halt anders.
Unser Sohn geht für uns einkaufen und wir machen, was wir früher eher seltener getan haben, eine Runde durch unser „Dorf“, egal wie das Wetter ist und wir kennen jetzt, und das ist eine schöne neue Erfahrung, fast jede Blume, ihr Werden und Vergehen.
Und doch IHR fehlt mir, unsere Kinder mit allen Enkeln, unsere lieben Freunde und Bekannten und alle die, die wir sonntags in der Kirche treffen. Mir fehlt das ganz
Persönliche, das Zusammentreffen, das Wandern mit Euch, das Laufen durch die Natur, manchmal ohne dabei viel zu reden. Mir fehlen auch die flotten Sprüche, die es ab und an so gibt und das ich meine eigenen bei mir behalten muss. Mir fehlt das Wohlgefühl, das sich dann oft einstellt.
Das gemeinsame Singen und Beten, die Gottesdienste (jetzt in der Karwoche besonders) vermisse ich sehr. Die technischen Ersatzhandlungen sind zwar sehr gut, meine ganz große Hochachtung für die Macher, aber eben, man kann nicht dabei sein.
Es ist schon ein eigenartiger Anblick unseren Hl. Vater allein auf dem Petersplatz und im Petersdom zu sehen!
Mein Wunsch und meine Hoffnung ist, das es Euch allen, den Umständen entsprechend gut geht, das Ihr alles händeln könnt und Ihr gesund seid.
Das Geheimnis der Kartage und der Osterfesttage als Grundlage unseres Glaubens wird uns, und dies wünsche ich uns allen, durch diese Zeit tragen!

Ein gesegnetes Osterfest

Euer Michael Kolb / St. Antonius

10.04.2020

Josef Reinhardt lebte seit September 2019 als Freiwillige in einer Gemeinschaft in Auroville, Indien.

Es ging weltwaerts…. Diesmal andersherum. Also wieder nach Deutschland. Heim. Da wo es angeblich sicher für uns sein sollte. Hies es nicht, dass das Virus ab 30° C nicht überlebt. War das nicht unsere Außentemperatur und wurde der indische Sommer nicht immer noch wärmer?
Unser Auroville in Indien sollten wir aufgeben?! Das was wir uns hier aufgebaut hatten? Viele von uns Freiwilligen waren zum ersten Mal weit weg von zu Hause, hatten ein erstes Arbeitsverhältnis, wohnten zum ersten Mal in einer Community, mussten sich selber versorgen und waren zum ersten Mal selbstständig.
Aus der Traum…
Es ging zurück. Wir mussten zurück. Ins „kalte, graue“ Deutschland. Weg von dem wo bisher nichts von Corona angekommen war und vllt. auch nichts kommen sollte. So jedenfalls in unseren Vorstellungen. Die Situation in Deutschland und die Nachrichten aus der Welt kamen uns so unwirklich vor. Auch wenn in Auroville immer weniger möglich wurde. Workshops und Meetings wurden gestrichen oder die Händler im naheliegenden Dorf erzählten von abnehmenden Umsätzen und Schließungen von ihren Läden. Sie wollten auch lieber ihre Familien absichern.
Aber wir wollten es nicht so wahrhaben und fanden es sicherer in Auroville. Absurd schien es uns mit einem höheren Ansteckungsrisiko durch die halbe Welt zu fliegen.
Im Nachhinein ist das alles Jammern auf höherem Niveau. „Flucht“ auf höherem Niveau. Viele Menschen auf der Welt flüchten in nicht seetauglichen Booten auf der Suche nach einer besseren Lebenssituation. Viele flüchten vor Krieg, Hunger und Elend. Viele Menschen haben keine Organisation, die hinter ihnen steht und ein Ticket für den sicheren Flug nach Hause kauft.
Auch für uns ist zwar eine kleine Welt zusammengestürzt, aber fühlen uns trotzdem willkommen da, wo wir von Anfang an herkamen. In Indien sind gerade viele Menschen zu Fuß unterwegs in ihre Heimatorte. Sie laufen tage-, wochenlang. Die gesundheitliche Versorgung ist bei Weitem nicht so ausgeprägt wie in Deutschand. Für uns erscheint es einfacher sich in den Flieger zu setzen und in die „heile Welt“ zu kommen. Wir haben unsere Wohnungen, Häuser in denen wir uns sicher fühlen können und müssen uns keine Gedanken […]

09.04.2020

Tagebuch schreiben? — Dafür fehlt mir die Disziplin!

Einige Gedanken habe ich aber dennoch hin und wieder einmal stichpunktartig aufgeschrieben. Einfach deshalb, weil ich mich auch später noch an dem orientieren wollte, was bereits gesagt wurde und nicht nur an dem, was aktuell gesagt wird oder eigentlich noch gesagt werden müsste.
Beim Durchblättern meiner Aufzeichnungen stutzte ich gestern dann doch ein bisschen mehr als sonst. Denn eines Tages war ich der Meinung:
„Wenn man klein ist, kann man mit Wenig viel bewirken. — Wenn man groß ist, ist es genau umgekehrt. — Und dabei denke ich nicht nur an die Beziehung zwischen Virus und Regierung.“
Dem Datum nach war es damals die Vogelgrippe. Sie ist Gott sei Dank so glimpflich verlaufen, dass sie heute schon fast in Vergessenheit geraten ist. Damals reagierte die Regierung mit der massenhaften Tötung von Geflügel.
Ist es aber heute nicht fast genauso, dass ein kleiner Virus so viel bewirkt, dass Regierungen nicht mehr regieren, sondern nur noch reagieren können? Hoffen wir, dass sie das in all ihrer Größe und Weisheit und mit der Hilfe Gottes auch gut tun werden!
Wir selbst sollten aber nicht nur von Anderen etwas erwarten. Wir müssen gerade jetzt das tun, was wir selbst tun können! Und das mit vollstem Selbstverständnis! Und wenn es „nur“ Beten ist!

Stephan Böhm / St. Antonius

08.04.2020

Ein Perspektivwechsel

Es erfreut mich, jeden Tag die kleinen Geschichten zum Alltag unter „Corona-Bedingungen“ aus der Verantwortungsgemeinschaft zu lesen. Vieles erheitert, macht Mut, diese besondere Zeit durchzustehen.
Doch ich fühle mich immer mehr so, als wäre ich im falschen Film. Irgendwie will ich das, was gerade in Deutschland und weltweit geschieht, nicht wahrhaben. Ist das wirklich real?
So viele Menschen auf den Straßen mit Mundschutz und Gummihandschuhen. Manche machen um mich und meinen Kinderwagen einen (wirklich!) großen Bogen. Neulich durfte ich mit Kinderwagen ein Lebensmittelgeschäft nicht betreten. Das bereitet mir Sorge, nicht das Virus.
Hier greift eine Angst um sich, die sich meines Erachtens loslöst von der sachlichen, wissenschaftlichen Grundlage. Die tägliche Flut von Schreckensmeldungen und Horrorszenarien, begleitet von dramatischen Überschriften, dunklen bzw. rötlichen Farbtönen in den Grafiken, sowie beeindruckenden Zahlen, Videos und Warnhinweisen leisten ihr Übriges. Mittlerweile erscheinen mir einige Meldungen mindestens erklärungswürdig und bisweilen sogar fragwürdig. Meiner Meinung nach brauchen wir ganz dringend unaufgeregte, sachliche Diskussionen, die alle wissenschaftlichen Erkenntnisse und Informationen einbeziehen.
Da dies in meiner Wahrnehmung fehlt, bestimmen vielerorts Angst und Misstrauen das Handeln, viele Grundfreiheiten werden eingeschränkt, ein Ende des Zustands scheint noch nicht in Sicht. Besonders schmerzlich wirkt es sich in den zwischenmenschlichen Beziehungen aus: Menschen, die ihre Lieben besuchen wollen, wird vorgeworfen, sich unsozial zu verhalten. Kinder dürfen ihre Großeltern nicht mehr treffen, geschweige denn in die Arme nehmen. Familien haben weniger Unterstützung. Alte werden allein gelassen. Totkranke sterben einsam in den Kliniken. Opfern wir hier unsere Barmherzigkeit einem vermeintlich korrekten Verhalten? Setzen wir die Angst Fehler zu machen über das, was uns der Verstand sagt?
Dankbar sah ich neulich einen Bericht über den christlichen Verein „Arche“ in Hamburg, der trotz der Infektionsschutzmaßnahmen Jugendlichen einen Anlaufpunkt bietet, wo sie Hilfe bei ihren ganz unterschiedlichen täglichen Herausforderungen erhalten und wo ein Minimum an sozialen Kontakten möglich wird.
Als Christen sollten wir in Verantwortung für den Erhalt von Mitmenschlichkeit und Nächstenliebe und im Vertrauen auf den Beistand Gottes gerade jetzt andere Akzente setzen.Vertrauen gegen Misstrauen. Wissen gegen Panik. Zuversicht gegen Angst. Glaube gegen Kleinmütigkeit. Fangen wir damit an! Ansteckung ist ausdrücklich erwünscht!

Juliane Berhorst / St. Paulus

07.04.2020

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Möglichkeiten wiederentdecken

Die jetzige Lage mit den verschiedenen Beschränkungen sehe ich als eine Chance, Altes wiederzuentdecken bzw. zu intensivieren.
Mit meiner Frau spiele ich vierhändig Klavier, was wir schon lange nicht mehr gemacht haben. Auch andere Spiele wurden aus dem Schrank geholt.
Einen gemeinsamen Spaziergang unternehmen wir täglich. Unser Hund braucht zudem dreimal am Tag seine Gassirunde. Manchmal tut das für uns auch unsere Nachbarin mit ihren Kindern. Die frische Luft tut uns gut und hilft uns, körperlich und geistig gesund zu bleiben und nicht einzurosten.
Wir hören u.a. CDs, die im Schrank noch auf ihre erste Nutzung warten und natürlich auch unsere Lieblings-CDs.
Bisher telefonierte ich jede Woche mit meinen Geschwistern. Das geschieht nun öfters. Auch mit unseren Kindern halten wir so Kontakt. Sie gehen für uns Rentner einkaufen, wofür wir sehr dankbar sind.
Das Singen im Chor und das Orgelspiel fehlt mir sehr. In einem neuen Heft mit Orgelwerken suche ich mir Stücke heraus, die ich auf dem Klavier üben kann, um sie im Gottesdienst zu spielen, wenn dies wieder möglich ist.
Bücher lesen und Briefe schreiben – dafür bleibt jetzt auch viel Zeit.
Möglichkeiten wiederentdecken bzw. zu intensivieren – das wünsche ich allen. Es hilft, nicht mutlos zu werden, sondern hoffnungsvoll und zuversichtlich zu bleiben.

Johannes Böhm / St. Antonius

06.04.2020

Heute am Anfang der Karwoche ein Text von Patricia, die in den letzten 3 Monaten Freiwillige Helferin in dem Flüchtlingscamp Moria auf Lesbos war.  In Ihrem Text zeigt sie deutlich, dass sich die Welt  trotz Corona weiterdreht und uns der Virus nicht vergessen lassen darf, was gerade an unseren Grenzen geschieht.

Was für ein Luxus in einem warmen Bett zu schlafen, während Du auf dem Boden schläfst, in einem Zelt, bei 9 Grad und Wind.
In meinem Zimmer schlafen wir zu zweit, in Deinem Zelt seid Ihr zu viert, neben Dir weint Dein Kind.
Ich nehm mir eine zweite Decke, wenn mir kalt wird, Du hast nur eine.
Ich mach mir einen Tee zum Frühstück, Du würdest gern, doch die Elektrizität funktioniert nicht und das schon seid einer ganzen Weile.
Was für ein Luxus jeden Tag eine Aufgabe zu haben, Du darfst legal keiner Arbeit nachgehen.
Ich kann von meinem selbstverdienten Geld gut leben, Du musst dich mit 90 Euro im Monat vorsehen.
Ich kauf‘ mir Schokolade und einen schicken Pullover, Du Dir eine Plastikfolie und eine Palette für Dein Zelt.
Vor unserer Wohnung stehen zwei Fahrräder, dafür fehlt Dir schlichtweg einfach das Geld.
Was für ein Luxus ohne Angst nachts auf Toilette zu gehen, Du traust Dir das nicht.
Meine 5 Meter sind hell, Deine 200 sind vollkommen ohne Licht.
Ich fühle mich auch abends Zuhaus‘ absolut sicher, Du bist jemand, der sich lieber noch einmal nach Männern mit Messern umschaut.
Wenn ich gehe, schließe ich die Wohnung ab, Dir wurde gestern Dein Heizkörper geklaut.
Was für ein Luxus, dass ich im Supermarkt nicht lange anstehen muss, Du wartest jedes Mal bis zu drei Stunden für Dein Camp-Essen.
Abends mache ich mir Pancakes, Abwechslungen in Deiner Mahlzeit werden stets vergessen.
Ich kann essen, soviel ich brauche und noch mehr, Du sollst von 800 g pro Tag satt werden.
Ich bin im Paradies aufgewachsen, Du lebst grade in der Hölle auf Erden.
Was für ein Luxus, dass ich eine behütete Kindheit hatte, Deine Kleine kennt nur eine traurige Welt.
An meinem freien Tag fahre ich für sechs Euro in die Türkei, Du zahltest für die gleiche Strecke 1.000 Euro Schmugglergeld.
Ich kann meine Seele auf dem Schiff baumeln lassen,
Deine Überfahrt […]

05.04.2020 Palmsonntag

… der wird auch Wege finden, da dein Fuß gehen kann

Der Lebensweg des lutherischen Theologen und bedeutenden deutschen Kirchenliederdichters Paul Gerhardt (+1676) war sicher nicht mit Zuckerguss bekleckert: die Folgen des dreißigjährigen Krieges mit Seuchen und Hungersnöten, der frühe Tod der Eltern, seiner Kinder, seiner Frau. Eine gebrochene berufliche Biographie…
„Befiehl du deine Wege“ (GL 418) Wie kann man solche hoffnungsvollen Texte aus derart seelischer und physischer Bedrängnis schreiben? Oder gerade deswegen?
Es könnte uns Kraft geben zu wissen, dass wir auf den Schultern unserer Vorfahren stehen. Dass Ihre Texte aus ihren Lebensräumen und-träumen erwachsen sind. Dass in ihnen die Muttersprache menschlichen Leidens und Hoffens zu Wort kommt. Auch heute noch. Es hat sich nicht wirklich viel geändert…
Paul Gerhardt kannte offenbar die Adresse für all das, was seine eigene Kraft übersteigt. Und er hat hinter der vorgefundenen Wirklichkeit noch eine andere Wirklichkeit aufleuchten sehen, einen anderen Weg …
Gottes Geleit auf Ihren Wegen! Bleiben Sie behütet!

Weg hast du allerwegen,
an Mitteln fehlt dir’s nicht;
dein Tun ist lauter Segen,
dein Gang ist lauter Licht.

Volker Babucke / St. Antonius

04.04.2020

Ich ziehe meinen Hut vor allen Menschen, die diese Krise für unsere Gesellschaft in verschiedensten Berufen gestalten müssen und bin froh und dankbar, dass ich ein Leben in gesicherten Verhältnissen führen darf. Ja, meine Familie ist wohlauf, ich habe keinen Grund zur Klage und meine Existenz ist nicht bedroht.

Wenn ich ehrlich bin, fällt es mir aber SEHR schwer, der aktuellen Situation etwas abzugewinnen, was andere als NEUEN ZUSAMMENHALT, NEUE FORMEN DES MITEINANDERS etc. betiteln. Ich habe auch zuvor meiner alten Nachbarin Einkäufe mitgebracht und mich mit ihr unterhalten, ich habe mit meinen Nachbarn Musik gemacht – wenn auch nicht jeden Sonntag punkt 18 Uhr. Es fällt mir SEHR schwer, etwas schön zu reden, was ich als Ausnahmezustand und Einschränkung meines bisherigen Lebens empfinde – mit dem ich übrigens meistens sehr zufrieden war. Mir fehlen meine Freunde, meine Kollegen, meine Großfamilie, meine Schüler, Gottesdienste mit meiner Gemeinde, die Semperoper, der Buchladen um die Ecke, der Kulturpalast, das Schauspielhaus, die Sächsische Schweiz, der Wochenmarkt, das Reisen … trotz aller digitalen Möglichkeiten. Die sind in meinen Augen nur trauriger Ersatz für das wahre Leben.

Und ich bin schwer erschüttert über Menschen, die anfangen sich als Sittenwärter zu betätigen: Wir durften am Samstag – ich war in Quarantäne – zum ersten Mal als sechsköpfige Familie wieder etwas unternehmen und haben uns lediglich von zu Hause aus per Rad in die nähere Umgebung gewagt. Wir sind tatsächlich an drei Stellen von wildfremden Menschen, die zu zweit unterwegs waren, kopfschüttelnd kommentiert und auch beschimpft worden. „Zu sechst geht ja gar nicht“ wurde uns hinterher gerufen und ob wir „nicht mitdenken könnten“. Mir macht DASgroße Sorge! Wie wenig Zeit braucht eine Gesellschaft, um lang erkämpfte Ideale über Bord zu schmeißen?

Mich besorgt auch eine Gesellschaft, die sich mit Toilettenpapier oder Nudeln eindeckt als gäbe es kein Morgen und keine Mitmenschen. Tauchen da Konflikte bei der Solidarität auf, die an anderer Stelle euphorisch gefeiert wird? Ich denke an Kinder, denen häusliche und digitale Unterstützung fehlt und die in ihrem Lernen (ihrem gesetzlich verankerten Recht auf Bildung!) jetzt noch weiter zurückfallen. An Familien, die vermehrt häusliche Gewalt aushalten müssen. An Eltern […]

03.04.2020

Alles anders? Vieles anders? Oder geht es anders?

Was ist anders? Einiges fehlt, manches vermissen wir schmerzlich, und doch einiges macht uns reicher. Zu Beginn des vergangenen Jahres haben wir angefangen, jeden Morgen am Frühstückstisch einen irischen Segenswunsch zu lesen. Nun ist noch täglich vor dem Abendbrot der Moment des Dankgebetes und der Rückblick auf den Tag dazu gekommen, eine Bereicherung. Gestern habe ich einen Blick in unseren Kalender geworfen.

Ausgefallen ist oder wird ausfallen das Seniorenfrühstück, die PGR-Sitzung, einige Fußballspiele von Dynamo, unsere nächste Wanderung. Ostern wird ganz komisch werden. Unser Emmausgang, den wir schon seit einigen Jahren vom Kloster Marienstern aus gehen, fällt auch aus.

Aber schön ist, dass der Kontakt nicht verloren geht. Am Telefon hört man eine bekannte Stimme oder es kommt eine Nachricht. Danke dafür! Heute um 18 Uhr werden wir den Segen des Papstes erhalten und anschließend beten wir gemeinsam-getrennt den Kreuzweg. Sicher gehen diesen viele mit uns. Wir sind in Gedanken bei euch.

Zum Schluss vielleicht noch etwas zum Schmunzeln. Auf dem Parkplatz des Supermarktes beobachtete ich besorgte Menschen mit riesigen Paketen Toilettenpapier. Sicher ganz, ganz wichtig. Und dann kam es mir so in den Sinn und ich dachte 70 Jahre zurück. Wir wohnten nach der Umsiedlung in Freiberg, zweiter Stock Außentoilette, natürlich zum Plumpsen. Schon das war eine technische Meisterleistung. Vier Familien teilten sich 2 Holzverschläge. Der Marsch dorthin, gefühlt 50 Meter, erfolgte mit zugeteilten 4 Blättchen Papier und der Ermahnung: „Wenn du nicht alles brauchst, bring den Rest zurück!“ Auch Zeitungen waren sehr knapp. Und es ging auch. Nun haben wir schon gerätselt, wann es denn im Osten die ersten Toilettenpapierrollen gab. Zugeteilt wurden sie eigentlich immer. Hart waren diese auch, und wir leben noch. Unsere Hoffnung und unser Lachen wird uns auch Corona nicht nehmen.

Nun wünschen wir euch eine gesegnete Zeit! Bleibt schön gesund. Wir freuen uns auf ein Wiedersehen.

Anita und Sieghard Berneis / St. Antonius

02.04.2020

Für die wichtigen Überlegungen zum Thema „Corona“ gibt es Gott sei Dank immer mehr Initiativen (virtuelle GD/ Andachten, Telefonkonferenzen, Hilfsangebote etc.)zum Umgang mit dieser neuen und ungewohnten Situation – gut so.

Mich interessieren, neben den Fragen rund um den Virus, die Fragen und Themen in Gesellschaft und Kirche, die durch Corona vielleicht in den Hintergrund gedrängt aber nicht gelöst sind.

Der Weg Jesu nach Jerusalem hinauf war bestimmt kein harmonischer Wanderweg der Jünger und Jüngerinnen, wohl eher ein konfliktreicher Weg voller Auseinandersetzungen. Wenn die Jünger sich z.B. um den „1.Platz“ streiten, müssen sie zur Kenntnis nehmen, dass Jesu Reich auf völlig anderen Festen gründet.

Für mich ein Anstoß über mein Kirchenbild nachzudenken, es in Frage zu stellen und neu zu erden. Vielleicht lockt es ja diesen oder jene von uns auch über solche Themen nachzudenken und Gedanken zu kommunizieren.

Uns allen eine gesegnete Zeit, hoffentlich ohne Corona.

Andreas Groß / St. Marien

01.04.2020

Licht für die Welt

Die Sonne strahlt, der Himmel ist blau. Keine behördliche Corona-Verfügung schränkt Radfahren ein, solange man nur den Abstand wahrt. Also radle ich von Pesterwitz hinunter nach Plauen. Erst zwischen Reisewitzer Straße und Nürnberger Ei treffe ich auf einige Mitradler. Untypisch wenig für das Wetter, untypisch auch das Verhalten. Der erste nimmt mir leicht schlenkernd die Vorfahrt, ein Sixpack in der linken Hand – aber er lächelt mir zu und nickt.  Ich raffe mich zu einem verkniffenen Lächeln anstelle einer heftigen Bemerkung auf, in diesen Zeiten ersetzt ja ein Lächeln tausend Worte. Ein zweiter fährt mir in falscher Fahrtrichtung auf dem Fußweg entgegen, aber er lächelt mir zu und nickt. Ich auch. Einen dritten treffe ich an einer roten Ampel, wo er, von der Seite kommend, heftig bremst, noch knapp vor mir zum Stehen kommt und – Ihr wisst es sicher schon – mich anlächelt. Ich auch, weil ja heute so ein schöner Tag ist. Er setzt pflichtbewusst einen Meter zurück und dann löst er das Rätsel um diese Häufung von Freundlichkeiten auf: „Eigntlischkönn’ste dein Flackerlischt oochausschaltn. Nutzt nischt bei die Helle haide.“ Sprach der Ur-Sachse, fährt los, weil inzwischen Grün für uns ist, und lässt mich im Nachdenken zurück.Ob ich das mit dem „Licht für die Welt sein“ aus unserem Biblisch begründeten Auftrag vielleicht doch falsch verstanden habe? Ich muss schon wieder lächeln – und jetztwarten, bis das grüne Ampelmännchen wiederkommt.

Josef Staubach / St. Antonius

31.03.2020

… abstinent

Wir erleben gerade eine Menge an Einschränkungen: physische Nähe, Bewegungsfreiheit, Freizeitangebote, Berufsausübung, Sicherheiten, Schule, Gottesdienst, die heilige Kommunion… Das hätten wir uns so nicht ausgesucht und wir leiden unterschiedlich stark darunter.
Und doch höre ich in all dem  leise unausgesprochene Worte: „Aber das geht mir doch immer so. Täglich. Und schon eine lange Zeit. Und ohne die Fülle an kreativen Gegenentwürfen“.

Ich glaube, diese Worte kommen nicht vom anderen Ende der Welt, sondern ganz aus unserer Nähe…
Tatsächlich könnte diese Abstinenzphase, die wir uns nicht ausgesucht haben, uns hörender und sehender machen im Blick auf den Mangel, den der Mensch neben uns erleidet.

Und noch etwas: Ich höre hin und wieder bei alten katholischen Leuten den Begriff „Aufopfern“ in Bezug auf ihre Krankheiten und Gebrechen. Und das durchaus aus gütigen reifen Gesichtern. Etwas Bedrückendes in einen größeren Zusammenhang stellen. Es Gott hinhalten. Es verwandeln lassen, so wie bei der Gabenprozession. Gott macht was draus! Er ist ein Recyclingkünstler!

Meine engen Grenzen … – wandle sie in Weite; Herr, erbarme dich“.  GL 437
 

Volker Babucke / St. Antonius

30.03.2020

Gerade habe ich den Beitrag von Josef Staubach gelesen. Auch wir haben am vergangenen Sonntag auf der Couch am Fernseher den Gottesdienst aus Herz-Jesu verfolgt. Schön zu wissen, dass es auch in diesen Zeiten möglich ist, mit anderen Gemeindemitgliedern verbunden zu sein. Kleine Anekdote: nach einer halben Stunde Messe meinte jemand: „die haben hier echt bequeme Kirchbänke!“…

Ansonsten merken wir in diesen Tagen, wie wertvoll eine gut funktionierende Hausgemeinschaft ist. Die jüngeren Kinder im Grundschulalter werden abwechselnd von einer Person betreut, so dass die anderen Eltern arbeiten können. Da heißt es morgens 1 – 2 Stunden Lernstübchen, gemeinsame Lesezeit und Kopfrechnen. Im Sachkundeunterricht werden Kartoffeln und Möhren geschält oder Kuchen gebacken und im Kunstunterricht Ostereier bemalt. Die größeren Geschwister werden beim Sportunterricht mit einbezogen und in den letzten Tagen fand schon so manches Abwurfball-Match statt.

Die Kinder erleben innerhalb dieser Gruppe ein stärkeres Miteinander, da es ja quasi von außen keine weiteren Kontakte oder Ablenkungen gibt. Zumindest unsere Erfahrungen sind im Moment, dass der Ton zwischen den Geschwistern deutlich liebevoller und respektvoller geworden ist.

Wir wissen, dass wir mit dieser Hauskonstellation gewaltiges Glück haben, da wir eben nicht nur an die eigenen vier Wände gebunden sind. Dafür heißt es jeden Tag DANKE zu sagen.

Katrin Kretschmer / St. Antonius

29.03.2020

Abends auf dem Balkon

Seit fast einer Woche singen wir jeden Abend das Lied „Der Mond ist aufgegangen“ von den Balkonen. Viele Nachbarn sind inzwischen dabei, es sind Akkordeon-, Trompeten-, Horn- und Celloklänge zu hören. Und dazwischen der Gesang der Menschen. „Wo Gefahr ist, wächst das Rettende auch.“, dichtete Friedrich Hölderlin. Jetzt, wo das Risiko des Infizierens die Menschen verpflichtet, in ihren Wohnungen zu bleiben, wachsen neue, kreative Formen der Verbundenheit und des Miteinanders, die vorher nicht denkbar gewesen wären. Wenn mir zu Silvester jemand gesagt hätte, dass ich im März jeden Abend zum Balkonsingen antreten würde, hätte ich ihn für verrückt erklärt. Ebenso, wenn diese Person behauptet hätte, dass wir dann – in Dresden und außerhalb der Weihnachtszeit – ein so tief religiöses Lied wie das vertonte Gedicht von Matthias Claudius singen würden. Aber genau dessenaltertümliche Verse fangen heute wieder an zu sprechen: Weil sie mit dem rechnen, was unsere Augen nicht sehen, weil sie Krankheit und Tod nicht ausblenden und weil sie einen Adressaten kennen, an den sie die Bitte um Verschonung richten können. Der Horizont dieses Liedes ist größer als wir, die wir täglich auf Kurvendiagramme blicken und die Prognosen der Experten erwarten. Für wenige Minuten schenkt dieses alte Abendlied die schwache Ahnung, wie sehr der Mensch auch heute noch einer göttlichen Geborgenheit bedarf– für sich selbst als auch für den „kranken Nachbarn“.

Mögen alle singenden, musizierenden, lauschenden, ausharrenden und betrübten Nachbarn in Stadt und Land behütet sein.

Ulrike Irrgang / St. Antonius

28.03.2020

Wir leben in einer sechsköpfingen Familie mit zwei Quarantäne-Kindern seit 1,5 Wochen rund um die Uhr zusammen. Ehrlich gesagt klappt das besser als ich dachte und die Stimmung ist ganz gut. Die herrliche Sonne trägt zur guten Laune bei. Einer arbeitet im Homeoffice, zwei Gymnasialschüler werden von den Lehrern gut mit Arbeit versorgt, das Grundschulkind ebenfalls (möchte aber nicht ohne Unterstützung arbeiten) und das Vorschulkind ruft: „Ich möchte mehr Aufgaben, lies mir bitte mal vor, was ich da machen muss.“ Zwischendurch wird lecker gekocht, gebacken und eingekauft. Die Zeit vergeht wie im Fluge…
Zu erwähnen wäre noch tolle Angebote wie ökumenischer Gottesdienst-Livestream aus Halle, Taizèandacht vom St. Benno-Gymnasium, viel Freude beim Erstellen einer Morgenbesinnung und Susi Kirchenmaus.

Sara Löffler / St. Paulus

27.03.2020

Ein Gruß aus dem Fokolar in der Stollestraße

Eigentlich hat uns die Nachricht des Corona Virus schon seit Mitte Februar direkter beschäftigt, da unsere Jahresexerzitien vom 4.-8. März nicht mehr in Rom stattfinden konnten. Anstelle des einen Ortes wurden es 16 Orte in kleineren Gruppen, jedoch über Zoom-Konferenzen in Verbindung mit Rom und Wien – überraschende Vertiefung, fruchtbringender Austausch, neue Erkenntnisse… Die Technik hat es möglich gemacht, dass Er uns zusammengeführt hat: „ein Herz und eine Seele“zu sein.

Eine Woche später der Reihe nach ABSAGEN auch vor Ort. Intensive Vorbereitungen für diverse Veranstaltungen – gerade zum 100. Geburtstag unserer Gründerin – haben uns erneut zum Innehalten geführt, wenngleich im ersten Moment – uns sprachlos gemacht. Doch damit Zeit verlieren? Nein! „Wer kann jetzt unsere Hilfe brauchen, wen anrufen, wen kontaktieren? Diverse Möglichkeiten haben sich aufgetan unter unseren Bekannten, aber auch in der Gemeinde… und mitten in diesen Überlegungen, ein Anruf von einer Familie aus der evangelischen Gemeinde: „können wir für euch einkaufen? Ihr gehört doch auch zur gefährdeten Gruppe?“ damit hatten wir nicht gerechnet!

Tragische, unfassbare Nachrichten, die uns berühren, wie wenn sie uns selbst treffen würden, bringen eine Kette konkreter Nächstenliebe ins Rollen! Das ist aber nicht immer so einfach getan, wie gesagt: Gerade vor 5 Tagen, also vor dem Wochenende: Eine pakistanische Familie, deren 8 Monate altes Baby erneut Fieber hatte und 6 Wochen davor mit Lungenentzündung im Krankenhaus, war erneut auf Hilfe angewiesen. Dieses Mal war klar, es gibt niemand, die wir für sie um Hilfe bitten können. Ist es überhaupt richtig, jetzt zu dieser Familie zu gehen, ist es nicht zu riskant? Eigentlich ja, Angst macht sich in mir breit! Aber eine Stimme sagt mir: Du bist im Moment die Einzige, die durch die Unterstützung zeigen kann, dass sie nicht allein sind. Jetzt ist der Augenblick, dich darauf einzulassen, dass die Liebe stärker ist als die Sorge.

Jetzt, nach dem Wochenende sind wir wieder in einer anderen Situation, aber ein Gedanke, der mich/uns in diesen Tagen frei macht, ändert sich nicht: der gegenwärtige Augenblick, indem wir Vergangenheit und Zukunft in Seine Hände legen! So wie Bischof Klaus Hemmerle sagt: „Gerade, […]

26.03.2020

Heute war ein schöner und trauriger Tag zugleich. Wir haben Geburtstag gefeiert. Gäste kamen nicht. Aber mein Schwager hängte morgens frischgebackene Brötchen an die Tür. Der Duft. Lockend. Appetitanregend. Er zog durch das ganze Haus und alle fanden sich schnell am Frühstückstisch ein. Das Telefon klingelte ununterbrochen, um gute Wünsche zu übermitteln. Die Schwiegereltern kamen trotzdem und gratulierten mit Abstand. Nachmittags kam die ganze Familie meines Schwagers zu uns ans Gartentor, um ein Geburtstagslied für meinen Mann zu singen. Eine wunderbare Geste, für die wir sehr dankbar sind. Wir finden Wege und kleine Nischen, trotz Grenzen und Anordnungen, quasi um über Umwege zueinander zu finden und zu zeigen, Du bist mir wichtig und bist wertvoll. Wie erfinderisch wir plötzlich werden, um der Sehnsucht nach Gemeinschaft nachzukommen. Nachmittags haben wir angefangen Briefe an unsere Lieben zu schreiben. Machen Sie das doch auch. Ein handgeschriebenes Blatt Papier mag jeder gerne in der Hand halten und lesen.

Traurig haben uns die Nachrichten, vor allem aus Italien gestimmt. Wir haben angefangen zu beten. Ich habe dieses Gebet ausgewählt:

Der Herr sei vor dir, um dir den rechten Weg zu zeigen.

Der Herr sei neben dir, um dich in die Arme zu schließen und dich zu schützen.

Der Herr sei hinter dir, um dich zu bewahren vor der Heimtücke böser Menschen.

Der Herr sei unter dir, um dich aufzufangen, wenn du fällst.

Der Herr sei in dir, um dich zu trösten, wenn du traurig bist.

Der Herr sei um dich herum, um dich zu verteidigen, wenn andere über dich herfallen.

Der Herr sei über dir, um dich zu segnen.

So segne dich der gütige Gott.

Sedulius Caelius

Das Gebet begleitet mich schon mein halbes Leben. Ich bete es immer, wenn ich vor Herausforderungen stehe. Heute haben wir es gemeinsam am Abendbrot-Tisch gebetet, auch weil wir keinen Gottesdienst feiern konnten. In diesem Moment dachte ich an alljene Christen, die nur heimlich ihren Glauben leben dürfen. Jeden Abend danken wir für den Tag, egal wie bescheiden er war. Probieren Sie es einmal, jeden Tag für etwas zu danken. Sie werden staunen, was da zusammen kommt. Falls nicht, fragen Sie ihre Kinder. […]

25.03.2020

Nach dem Tod meines Mannes habe ich die Begleitung eines jungen Syrers „geerbt“, um ihn beim Deutschlernen zu unterstützen. Inzwischen kenne ich auch seinen Bruder, der das Abitur machen möchte und hin und wieder Hausaufgabenhilfe braucht.
Von ihnen erhielt ich diese WhatsApp-Nachricht, die mich sehr berührt hat:

„Ich habe heute Gedanken gemacht, und wollte mit ihnen sprechen, und zwar ich habe Angst um sie wegen Coronavirus und würde sagen , wenn sie von draußen etwas brauchen , ich kann den für sie abholen, Hauptsache dass sie zu Hause bleiben, wir sind wie ihren Sohn. Bitte sagen sie wenn sie etwas brauchen.“

Ist das nicht wunderbar?

Christl Pünder / St. Paulus

24.03.2020

Laetare am Laptop

Fernseh-Gottesdienst auf der Couch verfolgen,Purpur, Gold und Weihrauch, professionell in Szene gesetzt. Das ist so ziemlich das letzte, was ich mir antun würde, um der für katholische Christen unseres Bistums inzwischen bis auf Widerruf außer Kraft gesetzten Sonntagspflicht ersatzweise zu genügen. Dachte ich immer. Das habe ich auch durchgehalten. Bis zum vierten Fastensonntag 2020 vormittags.

Dann hat es mich doch gereizt. Eher durch Zufall hatte ich im Internet mitbekommen, dass die Herz-Jesu-Gemeinde Dresden-Johannstadt einen Livestream-Gottesdienst ins Netz stellt. Dort ist wenigstens kein Purpur, denke ich. Mehr neugierig als begeistert stelle ich mich am Laptop als 264. Zutritt Erbittender beim Livestream-Kanaleingang an. Bald sind wir mehr als 350. Wir warten in Gemeinschaft, aber mit genügend Abstand. Nebenan in der Chat-Spalte gibt es außer „Hallo“ und „Guten Tag“ schon heiße Tipps, wie man einen inzwischen neugeschaltetenYoutube-Kanal an die Internet-Gemeindemitteilen könne, weil der versprochene nicht funktioniert. Der Pfarrer wartet geduldig, ich mit ihm, bis wir den neuen Kanal nutzen können. Gott und den hellen Köpfen in Johannstadt sei Dank!

Der dann folgende Gottesdienst gehört zu jenen, die mich bisher am meisten bewegt haben; von denen, die ich nicht direkt mitgefeiert habe, ist es sicher der Gottesdienst. Die technischen Unzulänglichkeiten, die Tonprobleme, die gewöhnungsbedürftige Leere – das alles spielt keine Rolle. Im Gegenteil, das ist der Boden, auf dem für mich Laetare – „Freue dich“ wächst. Unerwartet, stärker werdend, nicht zu unterdrücken. Vor meinem Laptop scheint im Violett der Fastenzeit das Weiß der Ostertage durch.

Josef Staubach / St. Antonius

PS: Ein Blick auf die Homepage unserer Nachbarn lohnt. Sie planen in der VG abwechselnd solche Liveübertragungen schon bis zum Sonntag nach Ostern. Ob wir das auch hinbekommen könnten? Wenigstens teilweise? Ich werbe dafür.

23.03.2020

Krisis: ein Höhe- und Wendepunkt. Etwas wird dramatisch anders – möglicherweise eben auch richtig gut. Zumindest hat schon die antike Medizin genau an diesem Punkt den Beginn von Heilung für möglich gehalten.
Momentan erlebe ich in meinem Umfeld lähmende Stille und hochgradige erschöpfende Aktion ganz dicht beieinander. Beides erfordert unsagbar viel Kraft. Und mittendrin und all das umfangend: Gott. Undeutlich. Verborgen. Aber nicht weniger treu und real wie in der Dornbuscherzählung, die uns unsere Tabernakeltür in St.Antonius ständig vor Augen hält.

Er will sich finden lassen: als die Fülle in aller Leere. Und als die ruhende Kraft im Sturm. Wirklichkeit spielt nie nur auf einer Ebene. Und ER will uns ALLES sein.
Gott sei Dank steht ER nicht unter Quarantäne! Laufen wir nicht an IHM vorbei.

Vielleicht ist gerade jetzt manches besser möglich: ein ehrlich gemeintes nettes Wort zu jemandem, dem ich das sonst nie sagen würde. Genauer Zuhören, anstatt mit Vielen viel zu reden. Von den eigenen Ängsten freiwerden und sich um Andere sorgen: um die Unsichtbaren, Stillen, Einmann-Unternehmer, denen die Einkünfte zu Staub geworden sind…
Im Gotteslob gibt es einen selten genutzten Teil: Tagzeitenliturgie. Die Psalmen, die Sie dort finden, werden in diesen Tagen anders zu Ihnen sprechen. Viele Antiphonen und Cantica sind neu bearbeitet, nicht immer ganz gängig, aber wunderschön. Und das Beste: beim Beten des Stundengebets tauchen Sie in eine riesige Menschenmenge ein, ganz gefahrlos. Ecclesia orans, die betende Kirche. Sie werden staunen, wen man da so trifft und was man alles erfährt…

Volker Babucke / St. Antonius

2020-05-09T21:23:37+02:00